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Die Schalksburg in Hausberge

Auf dem heutigen Schloßbrink in Hausberge (Porta Westfalica) befand sich um 1000 n. Chr. eine Burg, deren Gründer und Gründungszeit nicht bekannt sind. Es läßt sich dennoch vermuten, daß sie zu Anfang des 10. Jahrhunderts gegründet und angelegt wurde. Zu dieser Zeit waren die Sachsenkönige im Krieg mit Ungarn. Als die fremden Truppen 914 bis nach Norddeutschland vordrangen und die Grafschaft Lippe verheerten, ist diese Burg wahrscheinlich gebaut worden. Bei ihrer ersten schriftlichen Erwähnung hieß diese Burg "Schalksburg".Später wurde sie von ihren Besitzern "Haus am Berge" genannt, da der alte Name "Schalksburg" auch als "Knechtburg" gedeutet werden konnte.

Die Burg liegt auf einen kleinen Hügel und muß heutzutage im Häusergewirr des Städchens Hausberge gesucht werden. Der Burgplatz (Schalksburgstr. 4), mit alter Pflasterung, liegt 200m westlich der Kirche. Der Grundriß zeichnet sich im Gelände ab, läßt aber kaum einen Schluß zu auf die ursprüngliche innere Gestaltung der Burg. Wenn man den südlichen Teil der Burg als die Hauptburg anspricht, ergäbe sich das ungewohnte Bild, daß das Haupttor der Burg unmittelbar in die Hauptburg führte.
Die lage der Burg war wohl gewählt. Im Norden legte sich der Jakobsberg (262 m über Weserspiegel), der damals noch an die Weser reichte, als schützende Wand vor das Burggelände. Zur Weser war die Burg stark befestigt. Im Nordwesten sprudelte eine starke Quelle, die den Burgbewohnern das notwendige Trinkwasser gab. Zahlreiche andere Quellen machten die Talung in diesem Teil moorig und sumpfig und lieferten das nötige Wasser für den Burggraben. Über das sümpfige Vorgelände (Schloßbrink) führten lange Bohlenwege. Auf der anderen Seite bildete die Weser mit ihrer großen Wassermenge und ihren Überschwemmungen einen wirksamen Schutz. Im Westen der Schalksburg waren mehrere Teiche vorhanden. Der Standort und seine Umgebung bot sich für die Errichtung einer Burg geradezu an.

Der erste geschichtlich nachweisbare Bewohner der Schalksburg (zu dieser Zeit auch "Schalarborg" genannt) war der sächsische Graf Hermann Billung. Er war ein Freund Kaiser Ottos des Großen (936-973). Der Graf hatte sich um die Erweiterung des Reiches an der Unterelbe und in Schleswig-Holstein im Kampf gegen die Slawen verdient gemacht und im Jahre 950 seine Herzogwürde erhalten. Später lehnte sich der Billunger Herzog Bernhard III. gegen den Kaiser Heinrich II. (1002-1024) auf. Als der Kaiser im Jahre 1020 gegen ihn zog und die Schalksburg belagerte, verteidigte der Herzog sich zusammen mit dem zu ihm stehenden und von ihm aufgerührten sächsischen Adel. Die Kaiserin Kunigunde und der Erzbischof Unwan von Hamburg vermittelten zwischen den Streitenden und Herzog Bernhard III. unterwarf sich daraufhin dem Kaiser. Die Billunger verloren bald die Schalksburg.

Die Nachfolger auf der Schalksburg wurden die Herren vom Berge. Als älterster Vertreter dieses Geschlechts ist ein Markward bekannt der im Jahre 1025 lebte. Sie leiteten ihre Herkunft vom Sachsenherzog Wittekind ab, dessen Namen fast alle Angehörigen der Familie trugen. Karl der Große (768-814) hatte seiner Zeit mit Wittekind und seinem Stamm, der sich selber auch die "Engern" nannte, einige Schwierigkeiten. Die Herren vom Berge schrieben sich de Monte seu de Schaliesberg (Schalkenberge). Sie besaßen reichsfreie Gebiete und gehörten dem fürstenmäßigen hohen Adel an. Sie hatten großen Landbesitz. Er erstreckte sich auf der rechten Weserseite über einen 5km breiten Streifen von Veltheim bis Windheim, auf der linken Weserseite über einen ähnlichen Streifen beiderseits der unteren Werre, von der Einmündung der Else bei Löhne, bis zur Mündung in die Weser bei Rehme (später Amt Hausberge). Weiterhin hatten sie Besitz in den heutigen Ämtern Werste, Gohfeld, Dützen und Lahde zu Windheim. Mit den Burgherren zusammen wohnten auf der Schalksburg Ritter und Knappen, Turm- und Torwächter, Pförtner und sonstige Bedienstete, dazu auch ein Geistlicher. Aus Platzmangel wurden in der Nähe Häuser gebaut und Höfe mit Ländereien angelegt. Nach den Herren vom Berge hieß die Schalksburg bald "Haus am Berge" und die später entstandene Siedlung Hausberge.

Die Burg hatte es auf Grund der guten Lage und Befestigung den Mindener Bischöfen angetan. So kam es, das der auf der Schalksburg lebende Widukind I. im Jahre 1096 Schirmvogt des Bischofs von Minden wurde. Ihm oblag dessen militärischer Schutz und die Regelung und Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten. Die machtvolle Stellung der Edlen Herren zum Berge brachte es mit sich, daß sie danach strebten selbst Bischof von Minden zu werden. So wurde dann auch 1369 Wedekind, Edler Herr zum Berge, als Laie Bischof und Fürst von Minden. Mit Bischof Otto III., der seinem Bruder auf den Bischofsstuhl gefolgt war, starb 1390 das Geschlecht der Edelherren vom Berge aus und er vermachte seinen Besitz der Kirche.
Ottos Nachfolger auf dem Mindener Stuhl haben danach häufig auf der Burg gewohnt.
Wilbrand von Hallermund, Ottos vierter Nachfolger (1406-1436), hat durch üble Gewalttaten den Namen der Burg nochmals in den Mund der Bevölkerung gebracht. Er ließ 1412 Johann Vrese, einen Geistlichen, der mit päpstlichen Briefen unterwegs war, in Minden ergreifen. Nach dem er ihn auf die Burg gebracht hatte, ließ er seine Beine brechen, ihn in einen Sack stecken und in die Weser werfen. Durch die Strömung wurde Vrese noch lebend ans Ufer getrieben, dort aber mit Knüppeln totgeschlagen. Der Bischof büßte seine Tat mit 1000 Gulden.
Auf die Geschichte des "Hauses am Berge" fallen am Ende die Schatten des Hexenwahnes. In den Jahren 1645-1656 sollen 21 "Zauberer" hingerichtet worden sein.

Heute sieht man nichts oder bescheiden gesagt wenig von der Schalksburg. Lediglich in der Burgschänke befinden sich noch ein paar Bestandteile. Das Wappen der Edlen Herren vom Berge zeigte einen Adlerflügel in dem sich ein vergoldeter Kleestengel befand. Seit 1939 ist dieses Wappen ein Bestandteil des heutigen Hausberger Stadtwappens.

Andreas Büsching, PW den 28.12.98