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Die Schaumburg bei Deckbergen

Wenn man der Straße von Rinteln nach Hameln folgt, sieht man auf der linken Seite auf einer Bergkette eine Burg, die Schaumburg (Scoenborg). Sie liegt auf dem Nesselberg (Nettelberg), einem südlichen Ausläufer der Wesergebirgskette. Der Weg, der zu ihr führt, geht in vielen Kurven durch einen Laubwald. Direkt vor der Burg kann man parken. Die Lage ist einmalig, von hier aus kann man das Wesertal nach Osten, Westen und Süden weit überblicken. Im 13. Jahrhundert wurde der Name Scowenborg geschrieben. Er ist von "scoen", "scowen" - heute "schauen" - abgeleitet (Burg die weit in das Land schaut).
Der genaue Baubeginn ist nicht genau nachweisbar. Das erste Mal erwähnt wird die Schaumburg am 18.04.1119, wo in einer Urkunde "Adolfus Comes de Scoenborg" als Zeuge genannt wurde.


Die Schaumburg


Die Schaumburg hat drei Bezirke, die Grundburg (oberer Teil), die Vorburg, durch die man vom Eingangstor hinauf geht und unten links vom Torturm die untere Burg, zu der das schöne Fachwerkhaus am Turm gehört.
Um das gesamte Mauerwerk sind "wüste Gräben" angelegt worden. Der einzige Zugang zur Burg führte über eine Zugbrücke, die sich am Toreingang (31) befand. Der Graben an der Nordseite des unteren Platzes durchschneidet den ganzen Sattel zwischen Nessel- und Paschenberg.
Der obere Burghof konnte früher über drei Wege erreicht werden. Heute ist nur noch der mittlere Weg zu benutzen. Dieser führte damals noch durch den "Dicken Turm" (24). Die Durchfahrt mauerte man 1637 zu und legte den Weg an ihm vorbei. Die Schaumburg hatte vier Türme:
Der "Dicke Turm" war wohl der Wichtigste. Er wurde vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts vom Grafen Otto I. als Torturm errichtet. Im 17. Jahrhundert stürzte er zusammen. 1736 wurde der "dicke Turm" nur noch "oben abgebrochener Turm" genannt. 1907 wurde er wieder auf eine Höhe von 30m gebracht. Man nennt in heute den "Georgsturm" (nach Fürst Adolf Georg von Schaumburg-Lippe).
Der "Wittschrieber" (26), ein kleiner Rundturm, lag an der südlichen Spitze des unteren Platzes. Heute sieht man nur noch sein Fudament. Der "Kühner Henke" (25) steht im Osten des oberen Burghofes. Er diente früher als Gefängnis.
Der Vierte, ist der Torturm am Eingang zum unteren Platz. Er ist wirklich sehenswert mit seinem Erker über dem Durchgang und seinen Fachwerkhäusern rechts und links. In dem viereckigen Turm war einst die Drostenwohnung. An den Quadern des Torpfostens sind rätselhafte Einschürfungen und Schliffe wahrzunehmen, von denen man sagt, daß sie von Rittern stammen.
Das "Amtmanns Wohnhaus" (22) ist das Hauptgebäude der Burg. Der Palas (Herrenhaus) wurde immer weiter ausgebaut. Die Hoffront z.B., die im Stil der Wesserrenaissance erbaut ist, trägt am östlichsten Flügel eine Tafel mit der Jahreszahl 1521. Im Rittersaal des Palas kann man heute noch einen Kamin aus dem Jahre 1591 bewundern. An das Gebäude ist ein moderner Flachbau mit großen Fensterreihen für Gäste gebaut worden, was schade ist, den er paßt überhaupt nicht zu dem alten Burggemäuer.
Ostlich neben dem Hauptgebäude befindet sich ein Mauerdurchblick ins Tal, die "Himmelspforte".
Die Stallungen (23) wurden später durch ein langgestrecktes Fachwerkhaus ersetzt. An vielen Mauern sieht man, das die Bewohner der Umgebung (19.Jahrhundert) die Burg als Steinbruch benutzt haben, wenn sie Steine zum Häuserbau brauchten.
Der Krug (45) wurde erstmals 1444 erwähnt. Der Krug gehörte zur Burg, war Gästehaus der gräflichen Beamten und Diener auf ihren Dienstreisen und nicht zuletzt auch Einkehrhaus der Bewohner des Amtes Schaumburg.

Die Geschichte der Schaumburg beginnt mit den Herren von Santersleben (Sandersleben). Dieses Santersleben liegt nun keineswegs irgendwo um die Weser herum, sondern etwa 200km weiter östlich über den Harz hinaus, an dem Flüßchen Wipper, das bei Bernburg in die Saale mündet. Die Herren von Santersleben waren mächtige Grenzherren im Osten. Sie hatten das berühmte Kloster Walbeck bei Magdeburg gegründet und waren Marktgrafen von Bernburg. Einer aus der Linie heiratete nun eine Edle, Godila aus dem Hause derer von Rodenberg am Deister. So kamen die nördlich unseres Weserstückes gelegenen Güter der Rodenberger in die Hände des "ostdeutschen" Geschlechtes derer von Santersleben. Darunter auch der, vorspringenste Berg der Weserkette: der Nesselberg unterhalb des Paschenberges.
Der Erbauer der Burg soll Adolf, Herr von Santersleben (Sandersleben) und Rodenberg, gewesen sein. Er lebte zur Zeit der salischen Kaiser Konrad II. (1024-39) und Heinrich III (1039-56). Es waren die beiden mächtigen Kaiser, unter denen das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" seine größte äußere Ausdehnung erreichte und sein stärkstes, ganz selbstverständliches Ansehen unter den Völkern des christlichen Abendlandes genoß. Es wäre sinnbildlich für die kernhafte Bedeutung der Schaumburg, wenn sie tatsächlich gerade im Jahre 1030 von jenem Adolf v. Santersleben erbaut sein sollte. Es war nämlich gerade das Jahr, in dem Kaiser Konrad II. den Polen für die weitere Zeit des Mittelalters die Einfälle in das Deutsche Reich nachdrücklichst abgewöhnte und nach einem kurzen Feldzug auch die Magyaren für immer in einem nachbarlichen Abhängigkeitsverhältnis festlegte.
Jedenfalls stand auf der Steintafel, die man 1906 auf der Schaumburg wieder ausgrub, die lateinische Inschrift: ""Annis nongentis centenis ter quoque denis post Christum natum Scovenburg tenet initiatum" (In dem Jahre neunhundert und hundert und dreimal zehn nach Christi Geburt ist die Schaumburg begonnen worden).
Vom Grafen Lothar von Supplingburg, dem Herzog von Sachsen, wurde im Jahre 1110 das Grafenamt von Holstein an Adolfo de Scoenborg übertragen. Von da an führte Adolfo den Namen Adolf I.
Die Schaumburger Grafenfamilie lebte nicht ununterbrochen auf dieser Burg, weil ihre Besitzungen hier und im Norden so weit auseinander lagen. Die Schaumburg blieb aber ihre Stammburg.
Das Wappen der Grafen war ein Nesselblatt.


Das Siegel der Schaumburger Grafen.

In den ersten Jahrhundert ihres Grafentums mußten sie einen Grenzkampf gegen Slawen und Dänen führen. Diese griffen die Grafschaften Holstein und Stormarn von zwei Seiten an. Das von den Slawen zerstörte Hamburg verdankt den Schaumburger Grafen seinen Wiederaufbau und auch seinen prächtigen Dom.
1130 starb Graf Adolf I.. Er wurde im Mindener Benediktiner-Kloster beigesetzt.
Sein Sohn, Graf Adolf II. (1130-64) setzte die Kämpfe im norddeutschen Raum weiter fort.
Im Jahre 1140 gewann er Wagrien (das östliche Holstein) zu seiner Grafschaft.
Im Jahre 1143 gründete er die Stadt Lübeck, die ihm später Heinrich der Löwe abnahm. Adolf II. war wohl der bedeutendste und erfolgreichste Schaumburger. Er beherrschte drei Sprachen: Deutsch, Latein und Slawisch.
Aufbauend auf die Vorarbeit seines Vaters leistete er eine gewaltige Kolonisationsarbeit.
1164 fiel Adolf II. im Kampf gegen die slawischen Stämme bei Verchen.
Im Kampf zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem sächsischen Herzog Heinrich dem Löwen stand Adolf III. von Schaumburg/Holstein eben so, wie Konrad von Roden auf der Seite Heinrichs des Löwen. In der Schlacht auf dem Harlefeld bei Osnabrück 1181 besiegte der sächsische Herzog den Erzbischof von Köln. Die mit Heinrich verbündeten Grafen machten viele Gefangene, die der Herzog des Lösegeldes wegen begehrte. Adolf III. aber brachte seine Gefangenen in die festen Schlösser in Holstein, worauf ihn der Herzog aus diesem Raum vertrieb. Adolf III. zog sich zur Schaumburg zurück.
Da Graf Konrad von Roden dem Herzog die Treue hielt, wurden die beiden Nachbarn im Wesertal Feinde. Graf Adolf III. zerstörte 1181 die Burg Hohenrode. Kurze Zeit später wurde auch die zweite Burg der Grafen von Roden, die Amelungsburg zerstört . Sie galt als der Stammsitz von Konrad. Weitere Burgen wurden in der Nähe der Schaumburg angegriffen, vernichtet und ihre Herren unterworfen. So legte Adolf der III. den Grund zur Bildung der Grafschaft Schaumburg. Nachdem Heinrich der Löwe von Friedrich Barbarossa entmachtet wurde, bekam der Schaumburger Graf seine holsteinischen Besitzungen zurück.
1188 wurde die Neustadt von Hamburg nach Lübecker Recht von Adolf III. (1164-1225) gegründet.
Im Jahre 1203 verlor Adolf III. durch einen unglücklichen Krieg mit den Dänen wieder seine holsteinischen Besitzungen. Den Rest seines Lebens verbrachte er an der Weser und am Kaiserhofe, wo er vergeblich um Hilfe gegen Dänemark warb.
Im 13. Jahrhundert nahm Adolf IV. den Kampf mit den Dänen wieder auf. In der Schlacht bei Bornhöved 1227 errang er über König Waldemar II. den entscheidenen Sieg und band die Nordmark für immer an Deutschland.
Es wurden die u.a. Städte Itzehoe (1238) und Kiel (1242) gegründet. Daher sieht man auch in vielen Städte- und Landeswappen Holsteins das Nesselblatt.
Aber auch in der Stammgrafschaft begann Adolf IV. Siedlungstätigkeiten. Er nahm unter anderem die Stedinger Bauern auf, die vom Bischof von Bremen aus ihrem Land vertrieben wurden und gewann dadurch tüchtige Siedler.
Es entstanden die Stadthagen (1220-1224), Rinteln (1239) und Oldendorf (1237-1247).
Bruno, der jüngere Bruder Adolfs IV., war um 1205 auf der Schaumburg geboren vielleicht in einer der Kemenaten, in dem nordwestlichen Flügel des Palas. Er wurde für den geistigen Stand erzogen und wurde im Alter von 31 Jahren Dompropst in Hamburg (1236).
1245 wurde er Bischof und Papst Innozenz IV. übergab ihm das Land Mähren als Bistum. In seiner Aufsicht wurden dort 30 Städte, 200 Dörfer und viele Burgen erbaut. 25000 Menschen gingen als Siedler nach Mähren, wo Bruno 1249 die deutsche Lehnsordnung einführte.
Die weitgespannte Siedlungstätigkeit der Schaumburger Grafen stellt eine bewundernswerte Leistung dar.
Unter Otto I. (1370-1404) erreichte die Grafschaft Schaumburg ihre größte Ausdehnung überhaupt. Sie erstreckte sich damals von der Westfälischen Pforte bis nach Hameln, das eine Zeitlang dazu gehörte: Von Barntrup an der Bega (Lippischer Fluß) bis zum Steinhuder Meer im Norden. Das ganze Extertal (südlich von Rinteln) war damals schaumburgisch. Sogar Gehrden, das in Straßenbahnweite westlich von Hannover liegt, wurde damals von der Schaumburg regiert.
Aber schon unter diesem tapferen und gefeierten Grafen Otto I. engte sich der Macht- und Lebensraum der Grafschaft Schaumburg immer mehr ein.
Im Süden nordöstlich des Teutoburger Waldes wurden die Grafen von Lippe immer mächtiger. Im Westen saßen die eifersüchtigen über ihre Rechte wachenden Bischöfe von Minden.
Im Nordosten, an der Leine und am Deister erstarkte immer mehr das Land Calenberg, das zum mächtigen welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gehörte.
Otto I. erwarben 1386 das Herzogtum Schleswig und legten damit den Grund für die bis heute bestehende Vereinigung Schleswigs mit Holstein.
Ottos Nachkommen wirkten bis 1459 führend in Nordeuropa, oft in Thronkämpfe der nordischen Staaten eingreifend und selbst zu dänischen Königen vorgeschlagen.
Die Schaumburg blieb aber ihre Stammburg, bis 1640 das Geschlecht ausstarb. Der letzte Schaumburger wurde nur 27 Jahre alt. Er starb nach dem berüchtigten Hildesheimer Gastmahl. Es wurde zwar nie richtig aufgeklärt, aber acht Jahre vor Beendigung des Dreißigjährigen Krieges trafen sich in Hildesheim zu einer Besprechung der Kriegslage und Kriegsführung der kommandierende schwedische General, der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der Prinz von Hessen, der Graf von Schaumburg und noch einige Adelige. Diese vier Männer, die eine bedeutende Stellung hatten, starben innerhalb kurzer Zeit. Man vermutet, daß sich Gift in dem Wein befunden hat, den es bei dem Mahl gab.
Nach dem Tod fiel die Schaumburg dem Landgraf von Hessen zu.
Es gab noch drei Frauen aus dem Geschlecht der Schaumburger. Eine von ihnen hatte den Grafen Simon VI. zu Lippe geheiratet. Ihr 1643 geborener Sohn Phillipp nannte sich nach der Familie seiner Mutter und der seines Vaters Graf von Schaumburg-Lippe. Er machte die Stadt Bückeburg im Schaumburger Land zu seiner Residenz. Die Schaumburg gehörte natürlich nicht dazu, denn sie war ja an Hessen gefallen. Von Hessen kam sie in den Besitz von Preußen.
Als nun im Jahre 1907 das Fürstenpaar von Schaumburg-Lippe seine Silberhochzeit feierte, war auch der deutsche Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, zu Gast. Die Fürstin war nämlich seine Schwester. Als König von Preußen war Kaiser Wilhelm II. in den Besitz der Schaumburg gekommen. Er schenkte dem Fürstenpaar die Burg zur Silberhochzeit. So war sie nun wieder Eigentum einer Schaumburger Familie geworden.

Andreas Büsching, PW den 06.05.00